Mit Mut zum Hut

Es gibt Berufe, von denen man meinen könnte, sie wären längst ausgestorben – den der Modistinnen zum Beispiel. Aber nix da! In Berlin designt Nele Schreiner Hüte, die nicht nur modern, sondern auch tragbar sind. Mit LAVIVA.com hat sie über ihr selten gewordenes Handwerk gesprochen.

Auf den Hut gekommen – aber wie?

LAVIVA.com: Liebe Nele, wie viele sehr alte Handwerke scheint auch das der Modistin fast ausgestorben zu sein. Wie kam es, dass Sie Hüte dennoch zu deinem Beruf machen wollten?
Nele Schreiner: "Ich habe mich in das Erschaffen von Hüten verliebt, nachdem ich einen Bericht darüber gesehen habe. Die Kombination aus handwerklicher und künstlerischer Arbeit mit direktem sichtbaren Ergebnis fasziniert und erfüllt mich noch heute."

Wo warst du denn seitdem überall tätig? Gab es nie Momente in denen du mit deinem Job gehadert hast?

"Nach meiner Zeit bei Fiona Bennett war ich als Huttrainee beim Film, dann eine Zeit lang Praktikantin in London bei Justin Smith, und kurz nach meiner Rückkehr habe ich als selbständige Modistin für die Berliner Opernhäuser gearbeitet, sowie mein Label NCA gegründet. 'Leider' musste ich durch die Geburt meines Sohnes stark zurück treten. Mittlerweile arbeite ich fest für die Opernhäuser und habe kaum noch Zeit für NCA – was sich aber hoffentlich irgendwann wieder ändern wird."

Ein Beruf, verschiedene Tätigkeitsfelder

Kopfbedeckungen für die Oper machen und gleichzeitig ein eigenes Hutlabel zu haben, klingt sehr vielseitig. Wie unterscheiden sich die beiden Aufgabenfelder? Wo kannst du dich kreativer austoben?
"Kreativ sind beide Felder, wenn auch in völlig unterschiedlicher Form. Für die Bühne werden die Entwürfe der Kostümbildner umgesetzt, die teilweise völlig verrückt sein können. Das Ergebnis ist zwar vorgegeben, nicht aber der Weg dahin, und darin liegt hier die Kreativität. Allerdings muss dabei beachtest werden, dass die Kreationen auf die Entfernung funktionieren. Du musst die Lichtverhältnisse auf der Bühne beachten und daran denken, dass die Träger mit den Sachen tanzen beziehungsweise singen müssen – und das manchmal über mehrere Stunden. Bei meinem Label kann ich in den Entwürfen meine Kreativität ausleben, der Schaffensweg und die Materialien sind jedoch sehr auf Tragbarkeit im Alltag reduziert.

Passt der Kopfschmuck zu mir?

Was würdest du sagen: Wie hat sich die Bedeutung des Huts im Laufe der Jahrzehnte geändert?
"Früher war der Hut obligatorisch, er diente nicht nur zum Schutz, sondern war auch Erkennungeszeichen für gesellschaftliche Gruppen, Stände oder das Geschlecht. Heute dienen Kopfbedeckungen überwiegend als Schmuck beziehungsweise Accessoires."

Wie viel Mut muss man mitbringen, um Hut zu tragen? Viele geben ja an, sich damit schnell verkleidet zu fühlen …
"Wie viele Dinge kann auch das 'Huttragen' geübt werden. Sobald man sich jedoch auch nur ansatzweide verkleidet fühlt, würde ich den Hut weg lassen, und mich langsam rantasten. Zum Besipiel über Mützen oder Haarbänder."

Wann ein Hut immer geht

Kann man einen Hut wirklich zu allem tragen?
"Sobald der Träger oder die Trägerin eines Hutes 'Selbstverständlichkeit' ausstrahlt, geht alles, finde ich."

Zu welchen Anlässen trägst du selbst Hut?
"Meistens trage ich wetterbedingt Kopfbedeckungen. Oder an 'bad hair days'."

Gibt es jemandem, dem oder der du schrecklich gerne mal ein Exemplar von dir auf den Kopf schneidern würdest?
"Gerade ist das David Bowie. Und es ist furchtbar traurig, dass es dafür nun zu spät ist. Ihm hätte ich gerne alle möglcihen Hüte gefertigt!"

Das ist Nele Schreiner

Als ausgebildete Modistin lebt und arbeitet Nele Schreiner in Berlin. Vor ein paar Jahren gründete sie mit NCA ihr eigenes Label für Kopfbedeckungen. Was ihre Hüte können? "Sie halten Sie warm, sie schützen Sie. Sie schmücken Sie, sie lieben Sie … und Sie werden sie lieben! Sie sind Freunde für Freunde und Freunde von Freunden."


© Fotos: Lennard Rühle (www.lennardruehle.com)


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