Oktoberfest: So geht der Wiesn-Look

Ohne Dirndl auf der Wiesn ist wie nackt im Büro. Aber was muss bei der Kleiderwahl beachtet werden, um nicht Hohn und Spott der Bajuwaren ausgeliefert zu sein? LAVIVA zeigt, wie Sie sich das richtige Trachten-Outfit für's Oktoberfest zusammenstellen.

Jens Wiesner

Augen auf beim Dirndl-Kauf

Wer im schönen Bayern geboren wurde, kann an dieser Stelle eigentlich schon aufhören zu lesen. Wie man ein Dirndl richtig zusammenstellt - diese Fertigkeit wurde Ihnen sicher schon in die Wiege gelegt. Aber falls Sie aus dem Rest Deutschlands stammen und für dieses Jahr einen Oktoberfestbesuch anpeilen, sollten Sie dranbleiben. Denn mit einem Kurzbesuch im nächsten Kostümladen ist der Dirndl-Kauf freilich nicht getan. So fangen Sie sich höchstens (und zwar verdient) Hohn und Spott der Bajuwaren ein. LAVIVA zeigt, welche Fettnäpfchen es bei der Zusammenstellung eines feschen Dirndls zu umschiffen gilt.

Grundsätzlich gilt: Ein Dirndl besteht aus einem knöchellangen Faltenrock, einer Schürze, die zwei bis drei Zentimeter über dem Rock endet und einer Bluse mit Puff- oder Schiebeärmeln.

Der Klassiker: Blaudruck

Der Dirndl-Stoff: Edel oder praktisch?

Den einen typischen "Dirndlstoff" gibt es nicht. Das richtige Material wird vom Anlass bestimmt: Im Frühjahr und Sommer trägt man den Temperaturen entsprechend leichtere, im Winter eher schwerere und wärmende Stoffe. Edle Materialien wie Brokat, Samt und Seide bleiben eher festlichen Gegebenheiten vorbehalten, auf dem Oktoberfest sollte man zu praktischeren Materialien wie Leinen, vor allem aber Baumwolle greifen. Denn während Seiden-Dirndl für jeden Fleck umständlich in die Reinigung müssen, lässt sich die Baumwoll-Variante bequem zuhause per Hand oder in der Waschmaschine säubern.

Was das Motiv des Stoffes anbelangt, gilt der Blaudruck noch immer als DER Dirndl-Klassiker schlechthin. Der blaue Leinenstoff, auf dem sich kleine weiße Bögen, Rundungen und Punkte zu dem traditionellen Muster in einander schlingen, wird für den Dirndl-Rock verwendet und mit einer schlicht weißen Bluse, einer weißen Schürze und blauem Mieder kombiniert.

Balkonett-Ausschnitt mit Froschgoscherln

Das Dirndl-Kleid: Der Schnitt macht's

Grundsätzlich lassen sich zwei Arten von Dirndlkleidern unterschieden: das Dirndl mit integrierten Ärmeln und das beliebtere, ärmellose "Blusendirndl", unter dem zusätzlich eine Bluse getragen wird. Das Dirndlkleid wird meist vorne - seltener seitlich - mit Knöpfen, Haken und Ösen oder einem Reißverschluss geschlossen.

Der klassische Balkonett-Ausschnitt, bei dem der Ausschnitt in der Mitte der Brust endet, gehört noch immer zu den beliebtesten Schnitten, auch wenn herzförmige und runde Varianten durchaus vorkommen. Wer sich traut, greift zu einem tiefausgeschnittenen Dirndlkleid, das weit unter der Brust aufhört. Verziert wird der Ausschnitt mit einer farblich hervorstechenden Borte. Die beliebtesten Borte-Formen sind Herzrüschen, Froschmaul, Froschgoscherln und Zackenlitzen.

Die Dirndl-Bluse: Was drunter muss sein!

Ein Dirndl-Kleid ohne Bluse darunter zu tragen, das macht man einfach nicht. Ansonsten werden der eigenen Experimentierfreude keine Grenzen gesetzt. Es gibt Blusen in allen möglichen Farben und Mustern mit langen, halblangen oder kurzen Puff-, Trompeten- oder Schinkenärmeln. Die Ausschnittvarianten rangieren zwischen züchtig-hochgeschlossen bis lasziv-tiefblickend und können - wie schon der Ausschnitt beim Dirndl-Kleid gerüscht, bestickt oder mit Spitze verziert sein. Nur eine Variante ist absolut tabu: Spaghettiträger haben an einem Dirndl rein gar nichts verloren!

Der Dirndl-Rock: Schwingen muss er!

Einen Rock separat vom Oberteil findet man nur noch selten. Dabei bietet ein solches zweiteiliges "Spenzergewand" eigentlich die praktische Möglichkeit, Jahr für Jahr neue Kombinationen auszuprobieren ohne sich gleich das ganze Dirndl neu kaufen zu müssen. Vielleicht hat Volksmusiksängerin Stefanie Hertel dem "Dirndlrock" ja deswegen gleich einen ganzen Song gewidmet. Doch auch bei Kombi-Varianten gilt: Der Rock muss weit vom Körper schwingen und wird zu diesem Zweck in der Taille gerüscht. An der passenden Länge des Rockes scheiden sich die Geister: War "mini" in einem Jahr (rund 48er Länge) noch DER Trend schlechthin, kann schon im nächsten wieder "knöchellang" (bis 100er Länge), wadenlang (rund 90er Länge) oder "knieumspielend" (zwischen 58er und 68er Länge) in sein. Am besten, man hört auf sein eigenes Bauchgefühl und zieht an, worin man sich am wohlsten fühlt.

Flirtfaktor: Unterrock

Der Dirndl-Unterrock: Stumme Signale

Wie schon beim Rock gilt auch hier: In vielen Dirndln, die zum Kauf angeboten werden, ist der Unterrock bereits fest integriert. Traditionell aus weißen Baumwollstoff hergestellt, wurden in den letzten Jahren auch Varianten aus farbigem Tüll gesichtet. Achtung! Wer den Spitzensaum seines Unterrocks unter dem Dirndlrock hervorlugen lässt, signalisiert die Bereitschaft für ein späteres Schäferstündchen.

Die Dirndl-Schürze: Schleife mit Botschaft

Um einem Missverständnis gleich vorzubeugen: Übertrieben viele Spitzen und Rüschen haben an einer echten Dirndl-Schürze nichts zu suchen. Praktisch ist die Schürze, die stets einige Fingerbreit unter dem Saum enden soll, allemal: Mit ihr schützt man sein teures Dirndl vor Flecken. Wer seine Schürze bindet, sollte den Sitz der Dirndl-Schleife nicht dem Zufall überlassen. Wer seine Schleife vorne rechts trägt, zeigt damit nämlich an, dass er vergeben ist. Mit einer Schleife auf der linken Seite wird dagegen signalisiert: Anbandeln erwünscht! Wer noch Jungfrau ist, bindet sich seine Schleife vorne mittig. Hinten trägt man die Schleife dagegen nur, wenn man verwitwet ist - oder als Kellnerin arbeitet.

Prost!

Der Dirndl-BH: Push it up!

Ein guter Dirndl-BH wirkt im Verborgenen: Balkonett-Schnittform und weit außen sitzende Träger sorgen auch bei weit ausgeschnittenem Dekolleté dafür, das der BH nicht unter der Bluse hervorblitzt. Eng zusammenliegenden Halbschalen-Cups stützen die Brüste und erzeugen so selbst bei kleineren Oberweiten einen guten Push-up-Effekt.

Regel Nr.1: Bleib locker!

Doch so chic Sie auch aussehen wollen - wer das Oktoberfest genießen will, sollte wirklich teure Designer-Dirndl lieber im Kleiderschrank lassen. Denn mal ehrlich: Ein Dirndl auf der Wiesn muss vor allem eins sein: feiertauglich. Schließlich macht der schönste Stoff am Leib doch keine Lust, wenn man aus Angst um die teure Tracht nur wie eine Schaufensterpuppe danebensteht, während es die anderen  krachen lassen.

 


© Fotos: New Yorker; C&A; Peek & Cloppenburg


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