Einkaufsratgeber: Naturkosmetik

Noch nie stand uns eine solch große Auswahl an Kosmetikprodukten zur Verfügung wie heute. Pflegende Produkte wie Shampoos, Lotionen und Cremes als auch dekorative Kosmetik gibt es mittlerweile in konventionellen, naturnahen und grünen Varianten. Wir zeigen in unserem Einkaufsratgeber die wichtigsten Unterschiede.

Von Catharina Koenig

Konventionell vs. grün

Bereits bei den alten Ägyptern wurde getuscht, gepflegt und gepinselt, was die Erze hergaben. Unter anderem Henna wurde zu Pulver vermahlen und mit Tierfetten vermischt, um als Make-up aufgetragen zu werden. Die Inhaltsstoffe: Weitgehend naturbelassen, wenn wohl auch nicht vegan. Zertifiziert? Wohl kaum. Doch um Verbrauchern heutzutage Orientierung zu bieten, gehen die Marken freiwillige Bündnisse ein, oft auch, um sogenanntes Greenwashing zu verhindern, also das Vorspielen grüner Tatsachen. Mithilfe dieser Bündnisse wollen die Hersteller garantieren, dass die Kosmetik auch im Herstellungsprozess frei von Tierversuchen und zu 100% pflanzlichen Ursprungs ist. Doch wo genau verlaufen eigentlichen die Grenzen und wo liegen die Unterschiede? Wir versuchen ein wenig Licht in den Kosmetik-Dschungel zu bringen.

Wie schädlich sind meine Beauty-Produkte?

Konventionelle Kosmetik bedient sich im Labor hergestellter Substanzen. Die Wirkstoffe erzielen so die immer gleiche Farbe, Geruch oder Wirkung und unterliegen keinen natürlichen Schwankungen, die auf Anbau, Ernte oder ähnliche Umwelteinflüsse zurückzuführen sind. In der Kritik stehen hier oft Inhaltsstoffe, die auf Erdöl basieren, sowie Silikone und Parabene, die die Haut reizen können. Hinzu kommen hochreaktive Stoffe wie Azo-Farbstoffe, Formaldehydabspalter oder die Antioxidantien BHT und BHA. Kritiker geben zu bedenken, dass diese Stoffe mit anderen Inhaltsstoffen in Kosmetik oder Putzmitteln reagieren können.

Welche Peelings schaden der Umwelt?

Peelings: Natursalze sind okay, Mikroplastik geht gar nicht.

Auch winzige Kunststoffpartikel kommen beispielsweise in Peelings oft zum Einsatz. Das Umweltbundesamt in Deutschland empfiehlt, auf Kosmetika mit Polyethylen zu verzichten, da diese, einmal den Abfluss runtergespült, nirgendwo aufgehalten werden und so die Umwelt schädigen. Außerdem können Tiere die Mikroplastikteilchen essen. So gelangt das Plastik wieder in den Nahrungsmittelkreislauf. In einem Testergebnis von 2015 warnt Stiftung Warentest außerdem vor Cremes und anderen Kosmetika auf Mineralölbasis und stuft diese als krebsauslösend ein, besonders mineralölhaltige Lippenpflegeprodukte sollten gemieden werden.

Warum Naturkosmetik besser ist

In Naturkosmetik sind die genannten Stoffe gänzlich verboten. Zwar gibt es auch dort hochtechnologisierte Herstellungsverfahren, doch was die Inhaltsstoffe angeht, würden sich die alten Ägypter freuen. Die "Rosen Tagescreme" etwa, ein Klassiker von Naturkosmetik-Pionier Dr. Hauschka, besteht zu nahezu 100% aus natürlichen Inhaltsstoffen. Darunter finden sich Öle wie Avocadoöl und Shea-Butter, sowie Auszüge aus Rosenblüten und Hagebutte und weitere Inhaltsstoffe, die aus kontrolliert-biologischem oder sogar aus biologisch-dynamischem Anbau unter fairen Bedingungen gewonnen werden.

Tierversuchsverbot mit Mängeln

2004 wurde in der EU ein Tierversuchsverbot für herkömmliche Kosmetika und andere Produkte eingeführt - jedoch nur für das Endprodukt, nicht für die Inhaltsstoffe. Fünf Jahre später wurde diese Regelung auch auf die Inhaltsstoffe ausgeweitet - allerdings mit einem Schlupfloch: Für Allergien, Krebs oder Fortpflanzungsschäden gab es eine Ausnahmeregelung, wenn der Tierversuch außerhalb der EU durchgeführt wurde. Seit März 2013 ist auch dieses Schlupfloch geschlossen; im September 2016 wurde das EU-Verkaufsverbot für Tierversuchs-Kosmetik vom Europäischen Gerichtshof bestätigt. Mit einem Kniff lassen sich die Bestimmungen aber umgehen: Stoffe, die nicht ausschließlich in Kosmetika, sondern auch in anderen Produkten vorkommen, dürfen weiter an Tieren getestet werden. Grundlage dafür ist die standardmäßige Chemikalienprüfung.

Palmöl - weit verbreitet, scharf kritisiert

Experten zufolge beinhaltet gut die Hälfte aller Supermarktprodukte Palmöl. Es wird aus dem Kern der Ölpalme gewonnen und kann in Schokoriegeln, Waschmittel und auch Kosmetik enthalten sein. Die Kritik der Palmöl-Gegner: Für den Anbau der Ölpalme wird Regenwald abgeholzt, der Lebensraum von Tieren so massiv zurückgedrängt und Monokulturen gefördert. Einige Anbaugebiete setzen auch auf Brandrodungen, mit teils verheerenden Folgen für Mensch, Tier und Natur. Der Roundtable for Sustainable Palmoil (RSPO), ein Zusammenschluss verschiedener Unternehmen und dem World Wildlife Fund, setzt sich für eine nachhaltige Palmöl-Gewinnung ein. Kritikern gehen die Maßnahmen für Umwelt- und Sozialstandards auf den Plantagen allerdings nicht weit genug.

Tipp: Wer auf Palmöl in seinen Produkten verzichten möchte, wirft einen Blick auf die Inhaltliste, hier muss laut EU-Verordnung seit Dezember 2014 klar gekennzeichnet werden, wenn Palmöl enthalten ist. Davor reichte es, "pflanzliche Fette und Öle" zu vermerken.


© Fotos: PR; Thorsten Katz, elfing, contrastwerkstatt, Christian Maurer/Adobe Stock, AdobeStock_104640412


IVAs Blog

Netzfundstücke, Hilfreiches, Schönes: Hier schreibt IVA, über alles was sie bewegt!

LESEN
Gewinnspiele

Aktuelle Gewinnspiele aus den Bereichen Beauty, Mode, Reise und Design!

Mitmachen