Wolkig mit Aussicht auf Glück
18
Jun

Wolkig mit Aussicht auf Glück

Unter dem Motto Achtsamkeit ging es für unsere Autorin nach Südtirol. Lest hier, wie sie ihre Schlechtwetter-Phobie besiegt hat und was "Atemknie" damit zu haben.

Schon Tage vorher beobachte ich die Wetterlage in Südtirol. Dafür habe ich drei Apps. Selbst die sonst eher optimistische unter ihnen prophezeit nichts Gutes: Ein Tief hat sich über ganz Italien gelegt und verschluckt die ersehnte Sonne für die kommenden Tage. Nun muss man wissen: Wenn es etwas gibt, was ich im Urlaub nicht ausstehen kann, dann ist das Regen. Das ist der Grund, warum ich die Schlechtwetter-Romantik Irlands nie richtig begriffen habe. Und Island (so schön es dort sein mag) auf meiner Bucket-List ganz unten steht. Wenn es im Urlaub regnet, bin ich die erste, die mosert, die schlechte Laune bekommt und für alle Mitreisenden zur absoluten Nervensäge wird. Das ist nicht schön. Darauf bin ich nicht stolz. Also nehme ich mir vor: Diesmal mache ich es anders. Diesmal mache ich das Beste daraus.

TAG 1: Kastelbell – ankommen, durchatmen, ankommen

Von weitem sehe ich ein paar Bergspitzen hervorlugen. Für mich als Hamburgerin sind die Alpen immer wieder ein faszinierender Anblick. Und ähnlich wie am Meer, kann sich das Wetter hier schlagartig ändern – meine letzte heimliche Hoffnung auf Sonnenschein. Im Hotel Sand in Kastelbell angekommen, wartet bereits unsere Yoga-Lehrerin auf uns. Christina ist eine hochgewachsene junge Frau mit traumhaft langen blonden Haaren. Eine warmherzige dazu, die unsere Gruppe zum Motto dieser Reise begrüßt: Achtsamkeit. 

Ich nehme auf meiner Yoga-Matte Platz und lasse die letzten elf Stunden Autofahrt hinter mir. „Die Seele reist langsamer als der Körper“, sagt Christina. Ich kenne das, und zuweilen sogar in dem Maße, dass die Seele überhaupt nicht nachkommt. Ich bin ohne sie am fremden Ort und finde sie erst wieder, wenn ich nach Hause zurückkehre. Da ist eine Meditation, um im Hier und Jetzt anzukommen, genau richtig.

Tag 2: Meran und die Wunder der Natur

Nach der morgendlichen Yoga-Stunde und einem Frühstück, das keine Wünsche offen lässt, begeben wir uns in die Gärten von Schloss Trauttmansdorf. Östlich und etwas oberhalb von Meran erstreckt sich dort eine imposante Gartenanlage.

Die Beete sind in Form eines natürlichen Amphitheaters angelegt und beheimaten einen exotischen Mix aus verschiedensten Pflanzen. Karin kennt sie fast alle beim Namen. Sie ist eine energiegeladene Dame jenseits der 70 und eine der Führerinnen vor Ort. Im Gewächshaus erklärt sie, wie fleischfressende Pflanzen aus ihrer Not eine Tugend machen: Da sie an ihren Naturstandorten in Mooren, Sümpfen und Regenwäldern kaum Nährstoffe finden, haben die Pflanzen sich auf das Fangen von fliegenden und krabbelnden „Düngetabs“ spezialisiert. Erst wird die Beute durch Duft, Lichteffekte oder süßen Nektar angelockt, dann verschlungen und anschließend mithilfe von Enzymen zersetzt. Die so freigewordenen Nährstoffe werden von der Pflanze aufgenommen.

Sie zeigt auf Sumpfzypressen, die ihre Wurzeln als höckerförmige Auswüchse vertikal an die Erdoberfläche verlagert haben (sogenannte Atemknie), um die Wurzeln in den schlecht durchlüfteten Böden mit Sauerstoff zu versorgen.

Ich staune, dass Pflanzen immer wieder Wege finden sich ihrer Umgebung anzupassen. Von ihnen kann ich mir noch eine Scheibe abschneiden! Anstatt mich über das schlechte Wetter zu ärgern, könnte ich den Umstand, den ich eh nicht ändern kann, doch einfach annehmen. Und mich wappnen. Eine Regenjacke anziehen und mit Gummistiefeln in tiefe Pfützen springen.

TAG 3: E-Bike Tour auf dem Etschradweg

Ich steige aufs Rad und schalte aufgeregt am Display herum. Vier Stufen hat der Elektromotor: Eco, Tour, Turbo und Sport. Eco reicht für trainierte Radler, um Berge regelrecht hochzufliegen. Wer weniger Kraft in den Beinen hat, wählt die mittlere Stufe Tour oder Turbo. Auf der Maximalstufe Sport schießt das Rad quasi davon. Soweit die Theorie. Unsere Tour führt von Kastelbell zum Schloss Tirol. Insgesamt 18 Kilometer und 550 Höhenmeter sind es bis dahin. Der größtenteils flache Abschnitt entlang der Etsch ist problemlos auch ohne Antrieb möglich. Ich genieße das wunderbare Panorama auf den Meraner Talkessel und die umliegenden Weinberge.

Vorbei am idyllischen Dorf Algund geht es über Gratsch und St. Peter schließlich rauf zum Schloss. Dieser kleine Abschnitt von 2,9 Kilometern entpuppt sich als Endgegner: In engen Serpentinen geht es steil nach oben. Bislang war ein solches Ziel nur für sehr trainierte Sportler zu erreichen. Dank elektrischem Rückenwind schaffe sogar ich es verschwitzt, aber glücklich nach oben. Der Ausblick ist trotz tiefhängender Wolken atemberaubend und das Schloss einen Besuch wert. Es beinhaltet das Südtiroler Landesmuseum und erzählt in einem aufwendigen Rundgang von der bewegten Geschichte der Region. 

Zurück im Hotel Sand statte ich der Saunalandschaft einen Besuch ab. Mein Körper ist dankbar für die Anstrengung der Fahrradtour und die jetzt einsetzende Erholung. Dankbar für den Wechsel von Yin und Yang. Dankbar für den Moment.

Genau darum geht es doch beim Thema Achtsamkeit: Zu lernen in der Gegenwart zu bleiben, anstatt hadernd in die Vergangenheit zu rutschen oder bangend in die Zukunft zu blicken. „Wir sind überall, nur nicht bei uns selbst“, hallt die Stimme von Christina bei mir nach. Ausnahmsweise drehe ich mich nicht im Hätte, Wenn und Aber. Ich trete im Bademantel vor die Tür und lasse den Nieselregen auf mich niederprasseln. Ich muss schmunzeln und für einen Moment zeigt sich zur Versöhnung die Sonne am Himmel.

Pause vom Alltag

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Offenlegung: Die Recherchereise wurde von Travador unterstützt. Die Meinung im Blogbericht bleibt davon unbeeinflusst. Für den Post wurde laviva.com nicht bezahlt.


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