Garten-Hacks: Tipps fürs Grün

Nicht alle sind mit einem grünen Daumen gesegnet – muss ja aber auch nicht sein! Eine Expertin verrät ihre kreativsten Pflanzen-Tipps.

Wer es hübsch haben will im Garten oder auf dem Balkon, der kann viel, viel Geld für Equipment, Düngemittel oder spezielle Bewässerungshelfer ausgeben. Aternativ können Sie aber auch einfach selbst losbasteln – und ohnehin vorhandene Haushaltsmittel oder Gegenstände fürs geliebte Grün zweckentfremden! Wie's geht? In ihrem neuen Buch "Trick 17 – Garten & Balkon" stellt Autorin Antje Krause jede Menge Lifehacks vor, die das Gärtnern erleichtern. Im Interview mit LAVIVA.com hatte sie außerdem noch ein paar besondere Tipps parat …

Das brauchen Sie zum Gärtnern wirklich

LAVIVA.com: Geduld, ein grüner Daumen oder das richtige Equipment: Was ist am wichtigsten für einen schönen Garten oder einen hübsch bepflanzten Balkon?

Antje Krause: Eigentlich alles zusammen. Interessanterweise nimmt das Equipment meiner Erfahrung nach den geringsten Stellenwert ein. Der Pflanze ist es egal, ob sie in einem teuren Topf wächst, mit der Designer-Gießkanne gegossen wird oder ob zum Einpflanzen tatsächlich eine Pflanzenschaufel benutzt wurde. Ich habe schon Blumen mithilfe eines Suppenlöffels in eine Plastikschale gepflanzt und eine ausrangierte Porzellan-Salatschüssel als Übertopf umfunktioniert, das hat gut geklappt. Wichtiger sind stattdessen drei Dinge: Erde, Licht und Wasser. Wer einen Garten hat, kann gute Erde selbst produzieren und zum Beispiel einen Komposthaufen anlegen. Es macht Spaß zu beobachten, wir die Natur aus Kartoffelschalen, Salatstrünken und Rasenschnitt fruchtbare Erde macht. Ansonsten: Pflanzerde in Säcken beim Gärtner kaufen! Außerdem brauchen Pflanzen ausreichend Licht. Oder besser gesagt: Die Pflanzen sollten so ausgewählt werden, dass sie mit den Gegebenheiten an der anvisierten Stelle im Garten oder auf dem Balkon zurechtkommen.

Wie finde ich am besten heraus, welches Grün wo am besten gedeiht?

Viele Gärtnereien haben ihre Pflanzen nach Standorten sortiert, das ist sehr hilfreich. Zusätzlich stehen die groben Standortansprüche immer auf dem Etikett, das in den Pflanzen steckt. Und zuletzt natürlich Gießen! Dieser Punkt hat am meisten mit dem grünen Daumen zu tun, nämlich dem Gespür dafür, wo genau die Grenze zwischen zu viel und zu wenig ist. In einem heißen Sommer, wie wir ihn voriges Jahr hatten, ist wichtig, hier keinen Tag nachlässig zu werden. Die meisten Pflanzen stecken ein leichtes Blätterhängen ab und zu weg, aber dann muss auch schnell Wasser-Nachschub her. Wenn eine Pflanze einmal richtig verdörrt ist, hilft nichts mehr – sie ist meist verloren. Aber Kopf hoch, Gärtnern ist kein Hexenwerk – einfach klein anfangen!

So vermeiden Sie Anfängerfehler

An welchem Anfängerfehler scheitern die meisten? Wie kann ich dem vorbeugen?

Außer die Standortansprüche einer Pflanze nicht zu beachten? Zu viel auf einmal zu wollen! Wer frisch in eine Wohnung mit Garten oder Balkon eingezogen ist, will meist sofort loslegen: heute bunt blühende Töpfe kaufen, morgen das blühende Paradies vor der Türe haben. Ein Garten braucht Zeit, um sich zu entwickeln. Man sieht immer, ob Pflanzen gerade frisch eingesetzt wurden oder ob sie schon lange an diesem Ort gedeihen. Erst wenn der Garten "eingewachsenen" ist, strahlt er dieses gewisse Paradiesische aus. Diese Zeit sollten wir dem Garten geben. Nach einem Jahr kann der stolze Besitzer schon gut erahnen, wohin die Reise geht. Ein Balkongarten geht schneller. Die Töpfe und Kübel werden von den grünen Bewohnern schneller erobert. Und ich kann die Exemplare, deren Schönheit sich erst noch entfalten muss, zunächst in die hintere Reihe schieben und somit ein wenig tricksen. Zusammengefasst: Der größte Anfängerfehler ist wohlmöglich die Ungeduld!

Haben Sie konkrete Gärtner-Tipps, die an dieser Stelle helfen können?

Nummer Eins: Kaufen Sie mehrere Exemplare einer Pflanze! Gleiche Sorte, gleiche Farbe – dadurch erscheint die Pflanzung ruhiger und zugleich üppiger und kraftstrotzender. Viele einzelne Pflänzchen dagegen wirken in der Kombination sehr kleinteilig und häufig etwas verloren. Und Nummer zwei: Kaufen Sie Pflanzen von guter Qualität. Um das zu erkennen, muss man kein Profi sein. Grünes Laub ohne Flecken (es sei denn die Pflanze hat von Hause aus panaschierte Blätter), Triebe ohne Krabbeltiere und bei Blühpflanzen ein paar kräftige Knospen am Start, außerdem Erde im Topf, die nicht müffeln darf – diese Pflanzen dürfen getrost in den Einkaufskorb. "Mitleidskäufe" ("Aber die sind doch 50% reduziert …") bringen dem Anfänger meist nichts außer Frust. Der erfahrene Gärtner schafft es manchmal, diese aufzupäppeln.

Die tollsten Feel-Good-Pflanzen

Als Laie brauche ich dringend ein Erfolgserlebnis: Gibt es Gewächse, die mehr oder weniger unkaputtbar sind und trotzdem toll aussehen?

Die "eierlegende Wollmilchsau" gibt es unter den Pflanzen leider nicht. Und vielleicht ist das auch gar kein Nachteil, sonst würde alle Welt nur noch diese eine Pflanze kaufen und wir hätten nicht diese Vielfalt. Ich kann nur meine Lieblingspflanzen empfehlen. Hier kommt es wieder auf den Standort an, den Sie im Garten oder auf dem Balkon haben. Auf meiner halbschattigen Terrasse habe ich schon viele Jahre Minze im Topf. Welch' ein Duft, wenn man sie versehentlich (oder ganz mit Absicht) streift! Es gibt sie in vielen tollen Sorten: von der klassischen Marrokanischen Minze, über Schokoladen- und Ananasaroma bis hin zu einem fast unwirklichen Geruch nach Kölnisch Wasser. Ich ernte den ganzen Sommer über Triebspitzen für Tee (außer vom Kölnisch-Wasser natürlich). Die Pflanzen kommen dankenswerterweise damit aus, wenn man sie auch mal ein paar Tage auf Vorrat gießt. Falls doch ein paar Spitzen gelitten haben, schneide ich diese ab und sie treibt wieder gut aus. Und wenn ich die Pflanzen alle zwei, drei Jahre aus dem Topf nehme, teile und in frische Erde pflanze, habe ich immer ein paar kleine Töpfe als Geschenk in petto. Sie blühen auch schön, aber das steht bei den Minzen nicht im Vordergrund.

Und wie sieht es aus, wenn ich mehr Platz zur Verfügung habe?

Im Freiland, also im Garten ausgepflanzt, sind für sonnige Bereiche Taglilien und Sonnenbraut meine Favoriten. Solange sie nährstoffreichen Boden haben und gut gegossen werden, schieben sie über mehrere Wochen im Sommer eine Blüte nach der anderen. Anfänger haben gleich ein Erfolgserlebnis, wenn sie blühende Exemplare gekauft haben: Die Pflanzen blühen im Garten einfach weiter und kommen sogar nächstes Jahr wieder – vorausgesetzt es war ihnen nicht zu nass im Winter. Im Halbschatten und Schatten liebe ich Astilben. Sie bringen Blütenfarbe an diesen Standort – was gar nicht so leicht ist. Manche finden sie altmodisch, ich finde sie nostalgisch – und vor allem sehr pflegeleicht. Einmal eingewachsen, mache ich mit ihnen gar nichts weiter, außer bei Hitze gießen und im Herbst die verblühten Rispen ausschneiden. Es gibt unterschiedliche Arten und Sorten: von 30 cm bis über einem Meter Höhe. Da ist für jeden (Schatten-)Garten etwas dabei.

Equipment für Einsteiger & Fortgeschrittene

Welche 5 Gartengeräte brauche ich?

Meine Top-5 sind:

  • kleine Handschaufel
  • Gießkanne oder Schlauch
  • Gartenhandschuhe
  • Spaten
  • Rechen

Wer ernsthaft Gärtnern möchte, braucht meiner Meinung nach diese paar Utensilien. Balkongärtner können auf Spaten und Rechen verzichten. Den Rest kann man prima improvisieren: Aussäen zum Beispiel gelingt in einem selbst gebastelten Mini-Gewächshaus fast zum Nulltarif. In den Deckel einer Eierpackung ein "Fenster" einschneiden, dieses mit Frischhaltefolie und Klebeband zukleben, Anzuchterde in die kleinen Eierbecherchen füllen und los geht’s. Beim Auspflanzen kann man den Eierkarton ganz einfach zerreißen und die Pflanzen samt Becherchern in die Erde setzen. Da Eierkartons aus Pappe sind, verrotten die Becher schnell und die Pflanze bekommt Platz für die Wurzeln.

In was lohnt es sich zu investieren, wenn ich schon ein paar Erfahrungen gesammelt habe und größere Projekte plane?

Wenn Sie aber richtig durchstarten und Pflanzen im größeren Stil anziehen möchten, träumt man schnell den Traum eines jeden Gärtners: ein eigenes Gewächshaus! Wenn das platztechnisch (oder finanziell) nicht geht, leistet auch ein Frühbeet gute Dienste. Und schließlich kann man sich noch der reinen Schönheit hingeben: Alle praktischen Gerätschaften im Garten gibt es immer in einer (teureren) optisch höchst attraktiven Variante, sei es eine schicke Emaille-Gießkanne, Rosenhandschuhe aus echtem Leder, eine Gartenschaufel aus Edelstahl …

So klappt der Gemüseanbau auf dem Balkon

Ich würde wahnsinnig gerne Obst oder Gemüse anbauen, habe aber nur einen kleinen, schattigen Balkon. Kann ich meinen Traum trotzdem verwirklichen?

Oh je, Obst- und Gemüseanbau und ein schattiger Balkon, das passt leider nicht wirklich gut zusammen. Tiefen Schatten, also wo sich kaum ein Sonnenstrahl hin verirrt, halte ich für aussichtslos. Im Halbschatten sind Mangold, Radieschen, Erbsen, Pflück- und Feldsalat sowie Petersilie in Töpfen ein Versuch wert. Wer jedoch einen sonnigen Platz für seine Töpfe und Kübel hat, kann Tomaten, Chili und sogar Kartoffeln im (ausreichend großen) Kübel anbauen; Salate, Spinat und viele Kräuter auch im Balkonkasten. Wussten Sie, dass Frühlingszwiebeln aus dem Supermarkt im Topf weiterwachsen? Das Grüne in der Küche verwenden und das untere weiße Ende einpflanzen, sodass noch etwas Zwiebellauch herausschaut. Die kleinen Würzelchen werden bald treiben und für frisches Grün sorgen. Es kann fortlaufend geerntet werden. Noch ein Tipp für Obstliebhaber: Halten Sie nach sogenanntem Säulenobst Ausschau. Unter diesem Begriff werden Sorten von Apfel, Birne, Pflaume, Kirsche oder Aprikose zusammengefasst, die sehr schmal wachsen und ihre Früchte dicht am Stamm bilden – damit neben dem Obstbaum auch noch der Liegestuhl auf dem Balkon Platz hat. Erdbeeren gedeihen natürlich ebenfalls gut im Topf oder noch dekorativer: hängend im Hanging Basket.

Buchtipp – "Trick 17 – Garten & Balkon"

Buchtipp

Grün, grün, grün sind alle unsere Gärten – oder Balkone! Damit's mit dem Anpflanzen klappt, stellt Autorin Antje Krause in "Trick 17 – Garten & Balkon" satte 222 Lifehacks für Pflanzenfreunde vor. Die sind nicht nur ganz einfach nachzumachen, sondern auch noch günstig umzusetzen. Was will man mehr?

Antje Krause: "Trick 17 – Garten & Balkon", 17 Euro über Frechverlag

Über die Autorin

Selbst wenn Antje Krause "vor ewigen Zeiten" Landschaftsplanung studiert hat, liebt sie es, im Garten zu experimentieren und mit Erfindergeist auf die Impulse der Natur zu reagieren. Gut für uns! Dadurch ist sie nämlich ständig auf der Jagd nach kreativen Lifehacks. Wenn die Wahl-Berlinerin gerade mal keine Bücher schreibt, ist sie als Garten- und Kreativbuchlektorin im Einsatz.


© Fotos: frechverlag GmbH


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